Kaum ein spiritueller Begriff regt die Fantasie so an wie Nirvana. Er steht im Mittelpunkt der Lehre des Buddha und gilt als höchstes Ziel im Buddhismus. Dennoch wirft das Wort viele Fragen auf. Ist Nirvana ein Ort, ein Gefühl oder etwas ganz anderes?
Was ist Nirvana nun genau, und wie lautet die Definition von Nirvana in den verschiedenen Traditionen? In diesem Artikel stellen wir die wichtigsten Bedeutungen übersichtlich zusammen. Wir beleuchten die wörtliche Bedeutung, die Rolle des Nirvana im Leben des Buddha, die vier Stufen der Erleuchtung sowie die Bedeutung des Begriffs im Hinduismus und im Jainismus.
Was ist Nirvana? Die wörtliche Bedeutung des Begriffs
Wörtlich bedeutet Nirvana „ausgeblasen“ oder „erloschen“, so wie eine Kerzenflamme, die ausgeblasen wird. Das Bild ist eindrucksvoll: Was erlischt, ist das Feuer von Begierde und Leid, das den Menschen gefangen hält.
Nirvana wird häufig in einem Atemzug mit Erleuchtung genannt. Doch das Wort hat nicht in jeder Religion genau dieselbe Bedeutung. Der Begriff kommt im Buddhismus, im Hinduismus und im Jainismus vor, jeweils mit einer eigenen Ausprägung.
Nirvana oder Nibbana?
Im Sanskrit spricht man von Nirvana. Im Pali, der Sprache der ältesten buddhistischen Schriften der Theravada-Tradition, heißt es Nibbana. Beide Wörter bezeichnen denselben Begriff.
Das buddhistische Nirvana
Nirvana ist in erster Linie mit dem Buddhismus verbunden. Das buddhistische Nirvana ist der höchste Zustand, den ein Mensch erreichen kann.
Wie lautet die Definition von Nirvana?
Im Buddhismus bedeutet Nirvana, dass alle Begierden und alles Leid eines Menschen zur Ruhe kommen. Es wird oft als vollkommener Frieden und vollkommenes Glück beschrieben. Manchmal wird es mit einem Himmel verglichen, doch Nirvana ist kein Ort, an den man gelangt. Es ist vielmehr ein Zustand vollständiger Befreiung.
Die Kernpunkte des Nirvana sind:
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Befreiung vom Leid: das Ende von Unzufriedenheit und Schmerz, die aus dem Verlangen entstehen.
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Befreiung von der Wiedergeburt: das Durchbrechen des endlosen Kreislaufs von Geburt und Tod.
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Erlöschen der drei Geistesgifte: Gier, Hass und Verblendung verschwinden vollständig.
Weitere Namen für das höchste Ziel
Neben Nirvana verwendete der Buddha auch andere Begriffe, um dieses höchste Ziel zu beschreiben. Jeder Name beleuchtet einen anderen Aspekt:
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Panita: das Vortreffliche oder Erhabene
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Suddhi: Reinheit
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Khema: Sicherheit und Geborgenheit

Die Erleuchtung des Gautama Buddha
Nach buddhistischer Überlieferung erlangte Gautama Buddha das Nirvana nach sechs Jahren intensiver Übung und Meditation. Der entscheidende Moment kam, als er unter dem Bodhi-Baum meditierte. Seitdem gilt seine Erleuchtung als Vorbild für alle Praktizierenden.
Kein Nihilismus, sondern Befreiung
Innerhalb der Tradition wurde dem Buddha mitunter vorgeworfen, ein Nihilist zu sein, als würde Nirvana einfach „nichts“ bedeuten. Buddhisten haben dies stets entschieden zurückgewiesen. Der Buddha fasste seine Lehre selbst mit folgenden Worten zusammen:
„Eines, und nur eines, lehre ich: das Leiden und das Ende des Leidens.“
Im Samyutta Nikaya, einer der fünf Sammlungen (Nikayas) der buddhistischen Schriften, findet sich eine klare Beschreibung:
„Das Erlöschen der Gier, das Erlöschen des Hasses, das Erlöschen der Verblendung: Das wird Nirvana genannt.“
Nirvana ist also keine Vernichtung des Selbst, sondern das Ende all dessen, was Leid verursacht.
Die vier Stufen des Nirvana im Theravada-Buddhismus
Im Theravada-Buddhismus ist Nirvana das allerhöchste Ziel. Praktizierende nähern sich ihm Schritt für Schritt, indem sie den Pfad im Alltag umsetzen. Die Tradition unterscheidet dabei vier Stufen, je nachdem, wie viele „Fesseln“ einen Menschen noch an das Dasein binden.
Die vier Ebenen der Erleuchtung
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Stromeingetretene: Sie haben die ersten drei Fesseln durchtrennt, nämlich den Glauben an ein festes Selbst, den Zweifel und das Festhalten an Riten und Ritualen.
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Einmal-Wiederkehrer: Sie haben dieselben drei Fesseln durchtrennt und zusätzlich die Fesseln der Begierde und des Hasses stark geschwächt.
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Nicht-Wiederkehrer: Sie haben die fünf Fesseln durchtrennt, die den Menschen an die Welt der Sinne binden.
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Arahats: Sie haben das Nirvana vollständig verwirklicht.
Das Symbol des Nirvana im Buddhismus
Viele Menschen suchen nach einem festen Symbol für das Nirvana im Buddhismus. Ein einziges offizielles Symbol gibt es nicht, doch mehrere Bilder sind eng mit dem Begriff verbunden:
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Die erloschene Flamme: der direkteste Hinweis auf die wörtliche Bedeutung des Wortes.
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Der Bodhi-Baum: der Baum, unter dem der Buddha die Erleuchtung erlangte.
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Der Buddha in Meditationshaltung oder mit der erdberührenden Hand: Diese Darstellungen verweisen auf den Moment seiner Erleuchtung.
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Der liegende Buddha: Diese Haltung steht für das Parinirvana, das endgültige Nirvana beim Tod des Buddha.
Bei 1stBuddha erleben wir, dass gerade diese Symbolik vielen Menschen hilft, die Bedeutung des Nirvanas greifbarer zu machen, sowohl in ihrer Meditationspraxis als auch in ihrem Zuhause.
Nirvana in anderen Religionen
Obwohl Nirvana vor allem mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht wird, spielt ein verwandter Begriff auch in anderen indischen Religionen eine Rolle.
Nirvana im Hinduismus
Im Hinduismus richtet sich das höchste Ziel auf Moksha: die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburt. Das Wort Nirvana kommt auch in hinduistischen Texten vor, unter anderem in der Bhagavad Gita, wo von Brahma-Nirvana die Rede ist, dem Aufgehen im Göttlichen.
Nirvana im Jainismus
In der jainistischen Literatur werden Moksha und Nirvana für die Befreiung oder Erlösung der Seele verwendet. Nirvana zu erlangen bedeutet hier, den Kreislauf von acht Arten des Karmas zu durchbrechen. Diese acht Aspekte betreffen:
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Wissen
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Wahrnehmung
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Anhaftung
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Lebensdauer
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Name (Körper)
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Kaste oder Stand
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Empfindung
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Hindernisse
Kurz gesagt bedeutet Nirvana im Jainismus das Lösen dieser karmischen Bindungen, wodurch die Seele vollkommen frei wird.

Fazit
Nirvana bedeutet wörtlich „erloschen“, doch seine tiefere Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Im Buddhismus steht es für das vollständige Zur-Ruhe-Kommen von Gier, Hass und Verblendung und damit für das Ende von Leid und Wiedergeburt. Mit seiner eigenen Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum zeigte der Buddha, dass diese Befreiung erreichbar ist. Der Theravada-Buddhismus beschreibt den Weg dorthin in vier klaren Stufen, während Hinduismus und Jainismus ihre eigene Sicht auf die Befreiung haben.
Wer sich mit dem Nirvana beschäftigt, entdeckt eine Lehre, bei der es nicht um Leere geht, sondern um Freiheit. Bei 1stBuddha ist es uns ein Anliegen, diese reiche Bedeutung allen zugänglich zu machen, die sich für die Weisheit des Buddhismus interessieren.
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