Eine Tara-Figur lässt sich an ihrem Zusammenspiel von Körperhaltung, Handgesten und Attributen erkennen. In der buddhistischen Kunst verkörpert Tara Mitgefühl und schützende Hilfe. Für die Bestimmung einer Skulptur betrachten wir die erhaltenen Einzelheiten: Welche Hand ist geöffnet? Wo verläuft der Lotusstängel? Sind die Beine verschränkt oder ist ein Fuß nach vorn gesetzt?
Grüne und Weiße Tara erkennen
Die geläufige Grüne Tara sitzt mit angewinkeltem linkem Bein und herabhängendem rechtem Bein. Die bekannte siebenäugige Weiße Tara sitzt dagegen mit beiden Beinen in Meditationshaltung. Diese Unterschiede sind auch an ungefassten Metallfiguren hilfreich, deren Oberfläche keine grüne oder weiße Farbfassung zeigt.
Ein anschauliches Vergleichswerk ist das Gemälde der Weißen und Grünen Tara im Metropolitan Museum of Art aus der Zeit 1450–1500. Es zeigt beide Sitzhaltungen nebeneinander. Beide Figuren senken eine Hand in der gebenden Varada-Mudra. Das Werk belegt die Bildtradition; sein Alter ist keine Datierungsvorlage für eine ähnlich gestaltete Skulptur.
Die sieben Augen der Weißen Tara
Drei Augen im Gesicht, je eines auf den Handflächen und Fußsohlen: Diese sieben Augen gehören zur bekannten Ikonografie der Weißen Tara. Sie stehen für ihre umfassende Wahrnehmung. Die Verbindung mit langem Leben dokumentiert Himalayan Art Resources an einer Malerei der Rubin-Museum-Sammlung.
Bei kleinen Figuren untersuchen wir Handflächen und Füße ebenso sorgfältig wie die Stirn. Abrieb, Auflagen und die Stellung einer Hand können feine Details verdecken. Für die Bestimmung zählt zunächst, was am Objekt tatsächlich erhalten ist.
Lotus und Handgesten richtig lesen
Die geöffnete, abgesenkte Hand zeigt häufig die Varada-Mudra, die Geste des Gebens. Hinzu kommen Lotusblüten oder erhaltene Blütenstängel. Wir verfolgen deren Verlauf und prüfen die Hände aus mehreren Blickwinkeln. Ein Lotus allein genügt nicht, um jede gekrönte buddhistische Figur sicher als Tara einzuordnen. Weitere Zusammenhänge erläutert unser Leitfaden zu buddhistischen Handgesten.
Auch stehende Tara-Figuren gehören zur Tradition
Tara ist nicht auf sitzende Darstellungen beschränkt. Die hier gezeigte Skulptur aus dem Kathmandutal veranschaulicht eine historische stehende Form. Schmuck, Handhaltung und Blumenattribute werden zusammen betrachtet.
So untersuchen wir eine antike Tara-Figur
Die dargestellte Gestalt bestimmen wir anhand der Ikonografie. Für Zuschreibung und geschätztes Alter untersuchen unsere Fachleute anschließend das konkrete Objekt: Modellierung, Guss oder Schnitzarbeit, Bearbeitungsspuren, Sockel, Inschriften, Erhaltungszustand und dokumentierte Herkunft. Mikroskopie und UV-Licht unterstützen diese Untersuchung.
Erhaltene Originalteile sind besonders aussagekräftig. Eine ersetzte Hand kann die sichtbare Geste verändern; ein verlorener Blütenstängel kann ein wichtiges Attribut entziehen. Auch Oberfläche und Abnutzung bewerten wir im Zusammenhang mit Herstellung und Zustand. Eine dunkle oder grüne Patina allein bestimmt weder die Tara-Form noch das Alter.
Beim Vergleich zweier Figuren prüfen Sie deshalb die einzelnen Aufnahmen, Maße, Zuschreibung und Zustandsbeschreibung. Museumswerke dienen als belegte Vergleichsbeispiele. Ihre Datierung wird nicht allein wegen einer ähnlichen Haltung auf ein anderes Objekt übertragen.
Entdecken Sie unsere Tara-Figuren und den Leitfaden zu buddhistischen Gottheiten. Bei Fragen zu einer bestimmten Skulptur berät Sie unser Team.