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Dieser stehende Avalokiteshvara, auf Tibetisch Chenrezig, wurde in einer Newar-Werkstatt im Kathmandutal hohl gegossen. Über den Schultern erheben sich elf Köpfe zu einem schmalen Turm, und hinter der Figur steht eine Aureole, deren Vorderseite mit Reihen kleiner Arme besetzt ist. Bei 23,5 cm Höhe bringt das Bildwerk 5,2 kg auf die Waage. Wo die Vergoldung abgerieben ist, tritt die Bronze hervor; in den Kronen und am Rücken haften noch Reste roten Pigments.
Avalokiteshvara verkörpert das Mitgefühl: Er hört das Leid aller Wesen und bleibt in der Welt, um es zu lindern. Eine bekannte Legende erzählt, sein Kopf sei vor Kummer zersprungen, als er sah, wie viele Wesen noch litten. Amitabha, der Buddha, dem er zugeordnet ist, fügte die Teile zu elf Köpfen zusammen, damit er in alle Richtungen blicken konnte, und schenkte ihm tausend Arme, um überall zugleich zu helfen. Deshalb thront ein kleiner Amitabha auf der Spitze des Kopfturms. In Tibet gilt Chenrezig als Schutzpatron des Landes; sein Mantra lautet Om Mani Padme Hum.
Seit Jahrhunderten arbeiten die Newar-Metallkünstler des Kathmandutals für buddhistische Auftraggeber in Nepal und Tibet. Deshalb folgen viele nepalesische Bronzen – auch diese – der tibetischen Ikonografie. Die weichen Gesichter, die mechanisch wiederholte Aureole und die offene Unterseite ohne Bodenplatte sprechen für eine Werkstattarbeit aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, um 1930–1970. Es handelt sich also weder um eine Tempelbronze des 19. Jahrhunderts noch um einen neuzeitlichen Dekorationsguss.
Die elf Köpfe bilden drei Reihen friedvoller Gesichter, darüber ein zorniges Gesicht und als Bekrönung ein kleiner Amitabha. Die Haupthände liegen vor der Brust in Anjali-Mudra, der Geste der Ehrerbietung, zusammen. Die erhobenen Hände formen Vitarka-Mudra, die Geste der Lehrdarlegung; die unteren Hände hängen geöffnet herab. Nur die Vorderseite der Aureole trägt die Reihen kleiner Arme, die Rückseite ist eine gerillte Platte.
Die Vergoldung ist am Gewand, an den Füßen und am Rand der Aureole abgerieben. In den Falten sitzt grüne Kupferoxidation. Rotes Pigment ist am oberen Rücken, in den Kronen, an den Schulterschärpen und am inneren Rand des Sockels erhalten. Zwischen den Knöcheln befindet sich ein offener Hohlraum. Die Unterseite ist offen und zeigt raue Kernreste sowie Goldflitter.
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